
Berlins Kinos – Teil 5
September 9, 2010Schon viel zu lange vor gehabt und Montag endlich in die Tat umgesetzt.
Kino: Passage in Neukölln
Das Kino liegt direkt an der U7. Durch einen kleinen Bogen kommt man in die Passage, die wohl Namensgeber für das Kino ist. Gegenüber ist ein kleines Bistro. Fast ein bißchen Mediterran, wäre nicht schon der Winter eingekehrt. Durch 2 Schwingtüren kommt man in den großzügigen Eingangsbereich. Eine nette alte Dame steht hinter einem Tresen und fragt ahnend, ob es Inception sein soll. Ich bejahe ihre Frage und bestelle eine Karte, dazu ein Bier. Die Preise sind typisch für die Yorck Gruppe auf durchschnittlichem Niveau. Ich werde nach meiner Stempelkarte gefragt, die ich sogar bei mir habe. Später erfahre ich aus dem Yorcker (eine durchaus lesenswerte Programmzeitschrift des Kinos), dass bald auf digitale “Stempel”Karten umgestellt werden soll. Gleichzeitig wird erst nach dem neunten Besuch freier Eintritt gewährt, nicht wie jetzt schon nach dem sechsten. Die finanziell Schwache Zeit wird als Grund genannt, dabei dachte ich das Kinojahr wäre eines der Umsatzstärksten der letzten Jahre gewesen.
Noch 10 Minuten bis zur Vorstellung. Ich wälze mich durch die ordentlichen Kritiken und Filmempfehlungen des Yorckers und stoße wieder auf den Film “Fish Tank”. Ein englisches Vorstadtdrama, dessen Trailer mir mal irgendwann im Internet untergekommen ist und sehr gefallen hat. Der Yorcker beweist auch hier wieder Sinn für interessante Filme abseits des Mainstreams. Nur zwei Seiten weiter wird die Vorstellung von “Au bout de Souffle” im hiesigen Kino beworben, was ich mir direkt in den Kalender eintrage.
20:30Uhr und ich gehe die breiten Treppen hoch in die erste Etage des Kinos. Ein toller Altbau. Auf halber Strecke noch ein Halt auf der Toilette, immerhin hat der Film Überlange. Durch große, schwere Holztüren betritt man die Toilette von der man einen tollen Blick auf die oben genannte Passage hat. Nochmal die breiten Treppen und man steht vor 2 Eingängen. Leider findet die Vorstellung nicht im vielgelobten Saal 1, sondern im Nebensaal 2 statt. Dieser ist sehr klein, jedoch passiert man beim Betreten des Saals den Filmprojektor. Dieser ist zwar gut geschützt hinter einer Scheibe, aber ich warte dennoch den Start der Werbung ab, um mir dies mal aus der Vorführerperspektive anzuschauen. Gleichzeitig bedauere ich, dass ich leider nie als Vorführer gejobbt habe.
Die Technik ist nicht weiter erwähnenswert. Grundsolider, kleiner Kinosaal mit gutem Ton und einer für den Saal perfekt großen Leinwand. Das Publikum ist bunt gemischt. Entspannte Atmosphäre. Die Trailerauswahl passt zur allgemeinen Filmauswahl des Kinos. Besonders deutsche Produktionen finden hier anscheinend ihre Abnehmer.
Film: Inception
Eine Lobeshymne jagt die nächste. Inception gefällt, darin sind sich alle einig. Und auch ich werde nicht enttäuscht. Die Idee ist innovativ, wenn auch nicht neu. Viele Elemente (Traummanipulation, Gedankenlöschung, kollabierende Traumwelten, etc) sind z.b. aus “Vergiss mein nicht” bekannt – ein Film der mir weitaus besser gefallen hat, aber natürlich auch einem anderen Genre unterzuordnen ist. Nichtsdestotrotz sitzt man gebannt im Kinosessel, um dem Aufbau der Geschichte zu folgen. Wird man Anfangs noch recht spärlich mit Informationen gefüttert geschieht dies zur Mitte hin umso ausführlicher. Wer nicht gerade gedanklich seinen Haushaltsplan durchgeht, sollte der Geschichte also folgen können.
Nolan inszeniert seinen extrem prominenten Cast gekonnt auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Dies beeindruckt mich jedoch in erster Linie in technischer Hinsicht, als sich ein Lieferwagen mitsamt unseren Protagonisten in einer Ebene überschlägt und sich die Veränderung der Schwerkraft auf die darüber liegende Ebene auswirkt. Ein beeindruckender Kampf zwischen Joseph Gorden-Levitt, einem Widersacher und den Naturgesetzen – da freue ich mich jetzt schon auf das Making Of!
Zwei Dinge im Film haben mich dann allerdings doch gestört. Eine Kleinigkeit war die Besetzung der Rolle von Ellen Page. Sie war mir deutlich zu Jung für diesen Part und die Rechtfertigung ihrer besonderen Fähigkeiten anhand vom Zeichnen der Labyrinthe war doch arg an den Haaren herbeigezogen. Was allerdings viel mehr störte war die Zeichnung von Cobbs (Leonardo diCaprio) Ex-Frau. Entweder habe ich den Moment verpasst, aber ich meine es gab eben keinen, der sie auch nur ansatzweise sympathisch gestaltete. Die Szene zwischen ihr und Cobb im Limbus ging dadurch irgendwie an mir vorbei.
Das Ende des Films lädt zum Schmunzeln ein. Bleibt nur noch eine Sache zu erwähnen: Abspann Leser wissen mehr